Buchholzer Pfad-Finder wollen steinerne Spuren hinterlassen

Seit fünf Jahren sind sie aktiv, bauen und werkeln, putzen und pflanzen, um ihren Stadtteil lebenswert und Geschichte wieder lebendig zu machen. Ihre Mühen tragen mittlerweile Früchte, die gedacht sind für die Ewigkeit. Von Sarah Hofmann erschienen am 20.04.2018 Annaberg-Buchholz. Wenn Jens Lötzsch durch Buchholz fährt, grüßt er Leute und sie grüßen den 42-Jährigen zurück. Man kennt sich. „Schau, dieser Mann hat Buchholz schon zu DDR-Zeiten verschönert“, sagt Lötzsch, „dieser ist auch ein Pfad-Finder,“ „diese Frau gehört zu jenem Laden“ und so geht ihm das auf jeder Straße des Stadtteils. Jens Lötzsch ist in Buchholz aufgewachsen, verbringt hier sein Leben und hat Gleichgesinnte gefunden. Urbane Anonymität sieht anders aus, ist aber auch nicht gewollt in Buchholz, dem Refugium der Pfad-Finder. Das sind aktuell um die 20 Bewohner des Stadtteils, die sich regelmäßig treffen, um Buchholz zu einem schöneren Ort zu machen. In ein rechtliches Korsett wollen sie sich dabei nicht zwängen lassen. „Wir sind eine Ansammlung von Gleichgesinnten mit ständig wechselnder Mitgliedschaft – eigentlich eine Bürgerinitiative“, wagt Lötzsch einen Versuch der Erklärung. Was sperrig klingt, ist eigentlich ganz einfach. An Donnerstagen treffen sich die Pfad-Finder an Orten mit Verschönerungsbedarf und packen gemeinsam an, danach ziehen sie oft weiter in den Buchholzer Felsenkeller zum gemeinsamen Beisammensein. Wenn das Wetter mitspielt, gehen sie an Samstagen erneut ans Werk – oft packt dann die ganze Familie mit an. Auf diese Weise ist vor einigen Jahren das kleine Erholungsplätzchen am Krötenbrunnen entstanden. Gelegen an einem Stromhäuschen an einer Kurve an der B 101, wucherte der Brunnen lange zu, verwilderte, war eigentlich kaum noch als solcher zu erkennen. Lötzsch und seinen Kameraden, viele von ihnen wie Lötzsch Buchholzer von klein auf, wollten sich mit diesem Schandfleck nicht abfinden. „Er stand 50 Jahre still und nach diesen 50 Jahren haben wir ihn wieder zum Laufen gebracht“, erzählt Lötzsch mit Stolz in der Stimme. Da die Pfad-Finder kein Wasser durch das Stromhäuschen leiten durften, gruben sie einen Graben, der den Krötenbrunnen mit Wasser aus dem Wald speist – das Häuschen wurde umgangen. Außerdem begradigten sie den Platz vor dem Brunnen und bauten Bänke aus Holz und Naturstein. Entstanden ist ein kleiner Erholungsort, den die Buchholzer regelmäßig warten, sauber halten und mit Blumen verschönern. Erst vor zwei Wochen kamen sie alle zusammen, um den Brunnen aus dem Winterschlaf zu holen. Weitere erfolgreich neu aufgebaute Orte und Sehenswürdigkeiten in Buchholz: das Türmel, das Viermetz-Denkmal und einiges mehr. In diesem Jahr ist der Wettinhain dran. Dort schütten die Buchholzer kleinkörnigen weißen Kies auf, planen steinerne Bänke – Ziel ist es, dass diesjährige Pfingstsingen der Buchholzer Feuerwehr nicht auf einer Baustelle, sondern im blitzblanken Wettinhain stattfinden zu lassen. Mehrere andere Projekte, beispielsweise ein Erholungsplatz in den Ruinen der ehemaligen Buchholzer Friedhofskapelle, stehen schon in den Startlöchern. „Wir packen alles selbst an, denn dann passiert auch was“, sagt Lötzsch. Zwar arbeiten die Pfad-Finder mit der Stadt und zuständigen Ämtern und Institutionen zusammen – wollen aber nicht darauf warten, dass andere mit dem Bau und der Verschönerung beginnen, sondern greifen lieber selbst zu Hammer, Besen und Schubkarre. Doch nicht nur der Denkmalrestauration haben sich die Pfad-Finder verschrieben. Wie Jens Lötzsch erklärt, geht die Bürgerinitiative aktiv gegen den Leerstand im Stadtteil vor, vor allem aber an der Karlsbader Straße. Die Pfad-Finder nahmen Kontakt mit der SWA, der städtischen Wohnungsgesellschaft Annaberg, auf, in deren Besitz sich viele Häuser auf der Karlsbader Straße befinden. Sie brachten an den leer stehenden Häusern Transparente an, halfen bei Online-Annoncen und unterstützten aktiv die Vermittlung zu Käufern. Mit Erfolg, wie Jens Lötzsch sagt, viele der leer stehenden Häuser in der Buchholzer-Einkaufsstraße seien mittlerweile verkauft. Fertig sei man mit der Bekämpfung des Leerstandes und der Wiederbelebung des Stadtteils aber noch lange nicht. Zu einer Putzaktion laden die Pfad-Finder morgen ab 9 Uhr im Stadtteil Buchholz ein. Schwerpunkte sind der Pyramidenstandort, die ehemalige Wendeschleife und der Friedhof. Werkzeuge wie Schaufel und Besen sind selbst mitzubringen. Weitere Informationen über die Bürgerinitiative und Kontakt unter: http://www.pfadfinder-buchholz.de

6296040_W620

Subbotnik auf dem Buchholzer Wettinhain. Vorn im Bild: Pfad-Finder Jens Lötzsch und Kay Neubert.

© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG

Advertisements